Wummern und Wallung bis ans Limit. Patricia Carolin Mais „Balagan Body“.

7.4. // Neele Jacobi

Wie reagiert ein Körper in Extremzuständen? Diese Frage stellt die Choreografin und Tänzerin Patricia Carolin Mai in „Balagan Body“, ausgehend von einem Terroranschlag in Tel Aviv im Jahr 2012, den Mai hautnah miterlebt hat.

Auf der ansonsten leeren weißen Bühne im Hamburger Lichthof Theater stehen sich der israelische Tänzer Eyal Bromberg und Mai gegenüber. Zu den sphärisch-einnehmenden Klängen der beiden Musiker Benjamin Kövener und Samuel Penderbayne, die im Verlaufe des Abends immer extremer – extrem beeindruckend, extrem eindringlich – werden, sich in technoides Wummern hochschrauben, kommen die beiden Tänzer*innenkörper in Wallung. Was anfangs ein zusammensacken – Ohnmacht?! – und ein sich wieder aufrichten, hochschrecken ist, entwickelt sich in den kommenden 60 Minuten zu einem wahren körperlichen Exzess. Arme werden in die Luft geschlagen, Beine stampfen rhythmisch in den Bühnenboden, Körper zittern. Der ganze Raum ist erfüllt von Intensität, Druck, Panik, aber auch Erschöpfung, Angst, Hilflosigkeit.

Ich fühle mich fast bedrängt, schwanke zwischen dem Bedürfnis, mich mit in den Extremzustand zu begeben und dem Wunsch, die Ohren zu verschließen und den Raum zu verlassen. Mais Stück fordert heraus, es bedrängt. In Worte ist es kaum zu fassen, es ist eher ein Gefühl, ein Gemütszustand, der sich in einem einnistet. Und es erscheint mir als eine Spiegelung nicht nur einer Extremsituation wie einem terroristischen Anschlag, sondern auch unseres zeitgenössischen Seinszustandes des Getriebenseins, der ständigen Flucht, der Verängstigung. Wenngleich die Botschaft, die Mai mit „Balagan Body“ zu senden wollen scheint, vielleicht bereits nach der ersten Hälfte des Stückes ihr Publikum erreicht hat, so scheint es mir doch, als bräuchte dieser Extremzustand, dieser Exzess jene Zeit, die er an diesem Abend einnimmt.

„Balagan Body“: extrem intensiv, extrem laut, extrem fordernd, extrem sehenswert!