„OK, GOOGLE“ oder „Hat das Internet die Kraft den Gesamtcharakter der Kunst zu verändern?“

6.4. // Saskia Menges

Der Resonanzraum im Bunker in der Feldstraße bietet keine Bühne im klassischen Sinne. Es ist ein weiter Raum mit einer Bar im Hintergrund und Fenster, die in die meterdicken Wände gehauen sind. Wände, die dazu dienten, ihre „Besucher“ vor Bombenangriffen, also vor nackter, technischer Gewalt zu schützen. All das ist eigentlich die Bühne für die Performance OK, GOOGLE, die sich nur durch einen halbkreisförmig ausgelegten Tanzboden vom Publikum abgrenzt. Die Gäste, die auf ausliegenden Sitzkissen, Hockern und Stühlen Platz nehmen können, sind fast schwellenlos mit den fünf PerformerInnen verbunden. Dieses Bühnenbild ist eine wunderbar verbildlichte Fläche für die Auseinandersetzung des Stücks mit der Frage, ob zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz ein wahrhaftig empathisches Moment entstehen kann. Denn wie auch die Übergänge zwischen Bühne und Publikum fließend sind, ist auch der Umgang, das Vorhandensein von Technologie in der Umwelt ubiquitär und grenzenlos geworden.

Auf dem Tanzboden sind kleine Lautsprecher aufgebaut, klar erkennbar als sprachbasierte Google Home Assistenten. Während der kommenden Tanzperformance werden sie als Live-Spielpartnerinnen in die Szenen integriert. Dabei wird mit der Dystopien einer den Menschen überlebenden und ihn steuernden Technologie gespielt. Vorstellungen die in kraftvollen Bewegungen Ausdruck finden. Tragende Momente des Stücks sind dann auch die Gespräche der KünstlerInnen, die sie mit den Google Maschinen führen.

In mir stellt sich fast so etwas wie Erleichterung immer dann ein, wenn ein Gespräch mit Google missglückt. Denn auch dieses missglücken wird in dem Live Spiel zugelassen. Die Inszenierung erhält in solchen Momenten fast Slapstick Humor, wenn die Geräte wiederholt dasselbe, so etwas wie „Sorry, I don’t know yet.“ antworten oder Befehle missverstehen. Sie antworten dann nicht sinngemäß, sondern spielen etwa Lexika Einträge ab, die jedoch vollkommen fehl am Platz sind. Ich denke „Ach so schlau sind sie ja dann doch nicht.“ und bin beruhigt, denn ich merke, dass ich Angst vor einer mir überlegenden Technologie habe, die mich immer im Schach schlagen wird, weil ich „zu berechenbar“ bin, wie Google in einem Gespräch mit einem Künstler sagt. Das Stück lotet aus, welche Wege die Kunst mit Künstlicher Intelligenz gehen kann, wo wir aber auch derzeit stehen. Es gibt Möglichkeiten des Spiels, jedoch durch unsinnige Unterbrechungen, weil die Computer eben schlau, aber noch nicht schlau genug sind. Es bleibt abzuwarten inwieweit diese Geräte noch in unsere Gesellschaft eingreifen, oder vielmehr inwieweit wir Menschen bereit sind, die eingreifen zu lassen. Eindringlich zeigt das Stück auch, dass wir doch eine neue Ethik hinsichtlich des Umgangs mit künstlichen Intelligenzen brauchen.