„Let’s talk about Art, baby, let’s talk about what you see“. Wege aus der Schreibkrise.

9.4. // Neele Jacobi

Eigentlich hatte ich meinen Text zu „Obduktion einer Kunstfigur: Klaus Nomi“, das am Dienstagabend auf der großen Bühne des Hamburger Monsun Theaters zu sehen war, schon fast fertig. Ich wollte über die Frage schreiben, worüber man noch Lachen darf, wie Albernheit und Ernst sich helfen oder gar im Weg stehen. Im Zentrum des musikalischen Abends: Klaus Nomi (eigentlich Klaus Sperber), deutscher learning-by-doing Countertenor, in den 1980ern in New York zum Star geworden, wenige Jahre später an den Folgen von HIV gestorben, post-mortem zur Mythosfigur erhoben. Doch so richtig kam ich nicht weiter, steckte fest in Gedanken, Thesen, Fragen. Hatte ich das Stück, das als interdisziplinäre Musikperformance gelabelt war, vielleicht einfach nicht begriffen? War ich nach 8 Stunden Festivaltag einfach nicht mehr mit empfangswilligen Synapsen gesegnet? Ratlos saß ich auf einem Sofa in der für Künstler*innen und Mitarbeiter*innen gedachten Lounge.

Da schnappte ich plötzlich Gesprächsfetzen vom Tischgespräch vor mir auf. In kleiner Runde diskutierten da Teilnehmer*innen eines Workshops und waren gerade dabei über – ja genau – Klaus Nomi zu sprechen. Ich horchte auf. Wir kamen ins Gespräch, ich gab meine Verunsicherung Preis, mein Gefühl, da etwas nicht verstanden zu haben. Das fühlte sich gut an. Erleichterung machte sich breit, ich hatte das Gefühl, neu auf den gestrigen Abend schauen zu können. Eine von der Performance überaus begeisterte Workshopteilnehmerin schilderte mir ihre Sicht der Dinge, kurz und präzise, und plötzlich dachte ich: ja klar, genau darum geht es, wie genial! So etwas nennt man wohl einen Erleuchtungsmoment. Es ging um den Mythos der Figur Klaus Nomi, seine Stimme, seinen Tod, ja sogar sein Bühnen-Make-Up, die übertriebene Glorifizierung, den Umgang der Medien mit dem Tod, deren Perfidität,  Sterbevideos. In meiner Suche nach einer kritischen Haltung und der Erschöpfung des Abends konnte ich die eigentliche Entschiedenheit und Relevanz des Abends nicht mehr sehen. Ich blieb dabei, dass mich die rasanten Szenenwechsel und die arty-Ästhetik, wie sie in der Szene immer noch dominant zu sein scheint, irgendwie ablenkten, den Inhalt davon abhielten zu mir zu gelangen. Aber die große Erkenntnis dieses Sofagespräches am Tag danach war: reden hilft, Austausch hilft, zusammen denken macht mehr Spaß!